ZVR-Frühjahrstagung am 15. und 16. April 2016

Posted on 13. April 2016

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BAD KREUZNACH. Die Neuorganisation des ZVR ist Kernaspekt der diesjährigen ZVR-Frühjahrstagung mit einem unterhaltsamen und kulturellen Begleitprogramm auf „Dr. Faust‘s und Mephistos Spuren“. Vizepräsident Helmut Schmidt lädt in seiner Funktion als Landesinnungsmeister Rheinland-Pfalz zur Tagung und Mitgliederversammlung am 15. und 16. April ein. Offizielle Begrüßungsansprachen halten ZVR-Präsident Harald Gerjets und Gastredner Udo Bausch, Wirtschaftsdezernent der Stadt Bad Kreuznach.

Es geht um Finanzen, Aufgaben und die Einrichtung kommissarischer Ausschüsse. Auf der Agenda des diesjährigen Treffens der Mitglieder im Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) im Sympathie Hotel Fürstenhof in Bad Kreuznach steht unter anderem die gemeinsame Bestimmung der kommissarisch einzusetzenden Ausschussmitglieder für den Berufsbildungs- (BBA), Aufgabenerstellungs- (AEA) sowie Öffentlichkeitsarbeitsausschuss (ÖA). Über den aktuellen Stand und die Entwicklung der ZVR-Tarifkommission werden Tarifsprecher Rudolf H. Vogel und Geschäftsführerin Heike Fritsche informieren. Darüber hinaus diskutieren die ZVR-Mitglieder über die Zukunft und Neuausrichtung ihres Verbandes.

Wie nutzen wir den Wertewandel?

2016 ZVR auf der Heimtextil Frankfurt , Pressefrühstück und Preisverleihung, Foyer Halle 5.1/6.1

Harald Gerjets auf der Heimtextil 2016

Harald Gerjets äußerte sich zu dieser Frage bereits anlässlich der Heimtextil 2016 im Januar. Der ZVR diskutierte mit Fachbesuchern und Pressevertreter/innen über die Zukunftsgestaltung des Raumausstatter-Handwerks. Eine wesentliche Aufgabe und Herausforderung sei in diesem Zusammenhang die Ausbildung und Förderung von Fachkräften, so der ZVR-Präsident. In Bad Kreuznach wird er diese Fragestellung erneut aufgreifen. Junge Menschen in einer Zeit des Umbruchs und Wertewandels mitzunehmen, sei ein vorrangiges Ziel. Dafür möchte er Werben und Allianzen bilden.

Laut Information des Statistischen Bundesamtes ist die Anzahl der Raumausstatterbetriebe mit rund 28.000 stabil geblieben. Insgesamt beschäftigen sie rund 88.000 Mitarbeiter/innen, die Mehrheit der Betriebe im ZVR etwa fünf Mitarbeiter/innen. Die Kundenstruktur variiert je nach Ausrichtung des Betriebes (Objekt- oder Privatkundengeschäft). Für den Schwerpunkt Privatkundengeschäft geht der Trend zur finanziell gut gestellten Kundschaft in der Altersgruppe Ü 40, mit einer Tendenz zu jünger werdenden Kunden. Im Objektgeschäft sorgt die rege Bautätigkeit in Deutschland für eine gute Auslastung. Selbst mit Blick auf den Online-Handel bleibt die Prognose positiv, betonte Harald Gerjets: „Auch im weltweiten Netz eröffnen sich neue ‚Geschäftsräume‘.“

Heikel bleibt die Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Ein Handicap ist unbestreitbar das Niveau der Ausbildungsvergütungen und des Arbeitsentgelts, vor allem im Vergleich mit der Industrie. Eine Anpassung gestaltet sich schwierig, da die Wertschöpfung in arbeitsintensiven Gewerken ebenfalls geringer ist.

Noch Luft nach oben!  

Eine Folgeerscheinung all dieser Entwicklungen ist ein verändertes Berufsbild. Vom Aussterben bedroht sehen wir unser Handwerk jedoch keineswegs. Insbesondere die Beratungskompetenz qualifizierter Fachkräfte in Bezug auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Werterhalt sichert die Zukunft unserer Branche. „Gerade zu Zeiten des Wertewandels bleibt uns noch Luft nach oben“, so Harald Gerjets: „Der ungebrochene Wellness-Boom, ein nachhaltiger Lebensstil sowie der Wunsch nach Rückzugsmöglichkeiten aus der stressigen digitalen Welt sorgen für volle Auftragsbücher.“

Die Aufgabe des Raumausstatters von heute und morgen sei es, moderne Materialien und Funktionstextilien mit klassischen Edelprodukten handwerklich kreativ zu kombinieren, um den Menschen ein optimales Wohngefühl zu vermitteln.

Zur arbeitspolitischen Lage der Branche hatte sich auch Vizepräsident Helmut Schmidt in Frankfurt bereits ausführlich positioniert, insbesondere zu den Aspekten Meisterzwang und Entlohnung. Im Zusammenhang mit dem Wegfall der Meisterhürde sei leider auch der Gesellenbrief ausgehebelt worden. Es sei im Grunde keine Ausbildung oder Qualifikation mehr erforderlich, um das Handwerk auszuüben und einen Betrieb zu eröffnen. Nach nunmehr zwölf Jahren gelebter Praxis müsse sich die Politik eingestehen, dass die Handwerksnovelle aus 2004 fehlerhaft sei. Dennoch seien viele Politiker bis heute davon überzeugt, dass der Gesellenbrief für die Selbstständigkeit in den B1 Berufen notwendig ist. „Bereits 2008 wollte die große Koalition von CDU/CSU und SPD über eine Evaluierung der HWO nachdenken. Dies wurde sogar unter Punkt 2.8 im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Doch außer Absichtserklärungen ist nichts passiert“, erläutert Helmut Schmidt.

Ohne Gesellen keine Meister

2016 ZVR auf der Heimtextil Frankfurt , Pressefrühstück und Preisverleihung, Foyer Halle 5.1/6.1

Helmut Schmidt

Fachkräftemangel fängt da an, wo Fachkräfte nicht mehr ausgebildet werden. Ohne Gesellen keine Meister. Ohne Meister keine Ausbildung. Ohne Ausbildung keine Fachkräfte. Daher fordert der ZVR nun gemeinsam mit dem ZDH die Politik auf, endlich tätig zu werden. Ein Zurück zum Meisterbrief in unserem, wie auch in den 52 anderen Berufen, wird es nicht mehr geben können, nicht zuletzt weil sich die EU und insbesondere Großbritannien mit aller Macht dagegen stellen. In Deutschland gibt es gegenwärtig noch 2.300 Meisterbetriebe im Raumausstattergewerbe. Geplant ist eher eine weitere Liberalisierung für den Zugang zum Handwerk. „Unverständlich ist hier für uns, dass die EU zwar unsere duale Ausbildung im Handwerk in den höchsten Tönen lobt, auf der anderen Seite aber den Meisterbrief als Zugangshürde für den Arbeitsmarkt bewertet. Die Überprüfung der A-Berufe soll Mitte des Jahres abgeschlossen sein, lassen Sie uns das kritisch begleiten“, fordert Helmut Schmidt die Handwerkskolleg/innen auf.

Positiv bewertet der ZVR-Vizepräsident und Landesinnungsmeister die Entwicklung der Entlohnungssituation im Raumausstatterhandwerk. Er begrüßt die Einführung des Mindestlohns. „Unsere Betriebe haben stets über dem Mindestlohn gezahlt. Die Lohnempfehlungen der Landesinnungsverbände wurden in der Regel zu 100 % umgesetzt. In Zukunft wird es einen allgemeinverbindlichen Manteltarifvertrag geben, der den Branchenanforderungen Rechnung trägt.“

Kundenorientierung heißt: Wohn(t)räume schaffen!

2016 ZVR auf der Heimtextil Frankfurt , Pressefrühstück und Preisverleihung, Foyer Halle 5.1/6.1

Rudolf. H. Vogel

Der Zentralverband Raum und Ausstattung muss als Bundesverband und Branchenvertretung die Betriebe tariflich vertreten. Umso dringender wird es, diese Aufgabe wahrzunehmen, da auf die Raumausstatterbranche von Seiten der Sozialkassen des Baus Druck ausgeübt wird. Sowohl die SOKOA Bau als auch die MalerUK sind bestrebt, Raumausstatterbetriebe zu veranlagen. Dieser Anspruch resultiert aus den für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträgen des Baus. Hier musste der ZVR etwas entgegensetzen, um den Betrieben des Raumausstatter- und Sattlerhandwerks unnötige Kosten zu ersparen. Darauf wies Rudolf H. Vogel, Sprecher der ZVR-Tarifkommission in Frankfurt deutlich hin. Inzwischen habe die ZVR-Tarifkommission Sondierungsgespräche mit der IG Metall über Mindestlohn, Arbeitszeitkonten, Azubimangel, geringe Meisterabschlüsse und Urlaubsregelungen sowie die Positionierung zu den Sozialkassen des Baus geführt. In vielen Bereichen habe man Annäherungen erzielt.

Ein flächendeckendes Branchenentgelt sei dringend erforderlich, um dem Fachkräftemangel und rückläufigen Azubizahlen in der Branche entgegenzutreten. Selbstverständlich sei dies nur ein Baustein der ZVR-Offensive gegen Fachkräftemangel. Zusätzlich müsse ein Mindeststandard für Urlaubs- und Stundenarbeitszeit geschaffen werden. „Es muss allerdings allen Tarifparteien klar sein, dass die Raumausstatter- und Sattlerbetriebe ihre Produktivität und Flexibilität nicht verlieren dürfen. Das heißt, dass die Betriebe am Samstag erreichbar sind und Aufträge dann erfüllt werden, wenn der Kunde Zeit hat und zu Hause ist“, betonte Rudolf H. Vogel. Der Raumausstatter sei Problemlöser rund ums Wohnen und müsse kundenorientiert arbeiten, um Wohn(t)räume zu schaffen.

Wie die tarifpolitische Arbeit des ZVR, in Kooperation mit dem ZDH und anderen Verbänden, künftig aussehen wird, diskutieren wir mit unseren Mitgliedern nun in Bad Kreuznach.

Weitere Informationen und Anmeldung: http://www.zvr-info.de

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